Rekord-Bilanz im Schwarzwaldtourismus
7,04 Mio. Ankünfte 2011 entsprechen einem Zuwachs von 5,2 Prozent. Der Trend zu kürzeren Urlauben setzte sich allerdings fort. Im Schnitt blieben die Gäste in den vom Statistischen Landesamt erfassten Betrieben mit mehr als acht Betten nur noch 2,8 Tage. Die Übernachtungen stiegen nur um 2,8 Prozent auf 19,68 Mio.
Christopher Krull, Geschäftsführer der Schwarzwald Tourismus GmbH: „Erfreulich ist, dass zu diesem Zuwachs alle Teilregionen des Schwarzwaldes beigetragen haben und dass auch das Gästeaufkommen aus dem Inland weiter steigt. Allerdings kommen schon über 25 Prozent der Urlauber aus dem Ausland.“
Urlauber aus der Schweiz bleiben mit 2,1 Tagen zwar nur sehr kurz in der Ferienregion, haben aber ihre Position als wichtigste ausländische Gästegruppe mit einem Plus von 16,6 Prozent auf 0,55 Mio. Urlauber und 1,13 Mio. Übernachtungen (+17,5 %) weiter ausgebaut. Die zweitgrößte ausländische Gästegruppe bilden die 274.941 Niederländer (+2,9 %), die drittgrößte die Franzosen mit 217.494 Gästeankünften in Übernachtungsbetriebe (+10,1 %).
Unterschiedliche regionale Entwicklung
Von der positiven Tourismusentwicklung profitierten zwar alle Schwarzwälder Regionen, jedoch mit deutlichen Unterschieden: Im Norden stiegen die Gästezahlen 2011 auf 2,23 Mio (+3,6 %), die Übernachtungen auf 5,79 Mio (+1,8 %). Im mittleren Schwarzwald buchten 1,83 Mio. Urlauber (+4,7 %) rund 4,89 Mio. Übernachtungen (+1,6 %). Überdurchschnittlich hohe Zuwachsraten verzeichneten die Ferienorte im südlichen Schwarzwald: 2,97 Mio. Gäste (+6,7 %) und 9 Mio. Übernachtungen (+4,1 %). Im Süden bleiben die Gäste mit durchschnittlich 3 Tagen auch am längsten, im nördlichen Schwarzwald nur 2,6 Tage und im mittleren Schwarzwald 2,7 Tage.
Niedrigeres Preissegment profitiert stärker
Bei den touristischen Unterkunftsarten konnten eher preiswertere Unterkünfte stärkere Nachfrage verzeichnen: Die deutlichsten Zuwächse bei Gästezahlen verzeichneten Campingplätze (+28,6 %), Hotel Garnis (+13,8 %), Pensionen (+11,8 %), Ferienhäuser und Ferienwohnungen (+10,5 %), Gasthöfe (+ 9,7 %) Hotels (+8,7 %). Krull: „Ein Minus mussten schwarzwaldweit wiederum Reha- und Vorsorgekliniken, Schulungsheime und Ferienheime verkraften.“ Diese Entwicklung sei aber durch das Tourismusmarketing kaum oder gar nicht zu beeinflussen.
Annette Senn von Breisach Touristik und Kaiserstuhl-Tuniberg Tourismus führt den starken Zuspruch im unteren Preissegment darauf zurück, dass „die Wirtschaft im europäischen Ausland schwächelt und Urlauber aus Italien, Spanien oder Franzosen bevorzugt billiger wohnten“. Den Hotels kam nach ihrer Einschätzung „eher die günstige Wirtschaftsentwicklung in Deutschland zugute. Sie brachte mehr Geschäftsreisende und Tagungen“ an den Oberrhein.
Auch das Kinzigtal im mittleren Schwarzwald profitiert nach Einschätzung seiner Sprecherin Asunta Gabersek vom Trend zu preiswerten Urlaubsformen: „Besonders gut läuft Urlaub auf dem Bauernhof, auch Campingurlaub und Wanderunterkünfte haben zugelegt.“ Dagegen registrierte Amalia Dima-Setzler in Todtmoos „starke Zuwächse aus Deutschland“. In der „Bergwelt Südschwarzwald“ profitierte von den Zuwächsen „hauptsächlich die Hotellerie“.
Touristiker blicken zuversichtlich auf 2012
Die Tourismusexperten im Schwarzwald gehen von einer weiterhin positiven Entwicklung der Gäste- und Nächtigungszahlen aus. Fast überall soll die erfolgreiche Kombination von Aktivangeboten mit hohem Genussfaktor weiter ausgebaut werden: „Kulinarische E-Bike-Touren“ um Schonach, barrierefreie Angebote im Kinzigtal, ein „Literarischer Radweg“ zwischen Nagold und Calw am Ostrand des Schwarzwaldes, Geocaching-Touren und E-Bike-Angebote um Bad Teinach, Bad Liebenzell und Schömberg, kulinarische Erlebniswandertouren am Südrand des Schwarzwaldes, stärkere Verknüpfung von Rad-, Wander- und Weintourismus in den badischen Weinbaugebieten im Westen des Schwarzwaldes. Schwarzwaldweit werden neue Touren für E-Biker und für sportliche Radfahrer ausgeschildert. In Calw startet am 5./6. Mai die erste „Schwarzwald E-Mobility-Rallye“.
Auch die Kultur, Gesundheits- und Wellnessangebote im Südwesten sind stark gefragt: Baden-Baden setzt 2012 auf die „Kombination aus Kunst, Kultur, Gesundheit, Schönheit und Eventhighlights“. Im Münstertal sollen Gesundheitsangebote im Reinluftstollen ausgebaut werden. Am Kaiserstuhl startet ein „Kunstprojekt mit außergewöhnlichen Kunstwerken einheimischer Künstler an exponierten Stellen in der Landschaft“.
Hermann Hesse, Udo Lindenberg und Peter Maffay in Calw
Die Schwarzwaldregion Calw hat anlässlich des 50. Todestages von Hermann Hesse 2012 zum „Hesse-Jahr“ ausgerufen. Beim „Hermann Hesse Festival“ in seiner Geburtsstadt Calw wird auch der Panikpreis der Udo-Lindenberg-Stiftung verliehen. Sechs finale Panikpreis-Bands, Udo Lindenberg und das Panikorchester sowie einige andere „Individuelle, Morgenlandfahrer und Steppenwölfe aus aller Welt zelebrieren die Kunst des Eigensinns“ und lassen am 7. Juli „die Toleranzen tanzen“. Im Schwarzwald gibt Udo Lindenberg damit sein einziges Konzert außerhalb seiner Tournee. Auch Peter Maffay und seine Band lassen es im Schwarzwald richtig krachen: Am 6. Juli sorgt der Rockmusiker auf dem Marktplatz dafür, dass „Calw rockt“.













